In meinem ersten größeren Projekt waren wir stolz auf unsere Alarme. Wir hatten Hunderte davon. Jede Metrik, die uns eingefallen ist, bekam einen Schwellwert und eine Benachrichtigung. Wir dachten, das sei gründlich. In Wahrheit hatten wir uns eine Umgebung gebaut, in der niemand mehr hinschaute.
Der Effekt kam schleichend. Erst überflog man die Alarme noch. Dann klickte man sie weg. Am Ende gab es einen eigenen Ordner, in den die ganzen Mails wanderten, ungelesen. Als dann ein echter Ausfall kam, ging seine Meldung im Rauschen unter, genau wie alle anderen. Wir hatten Alarme, aber wir hatten keine Alarmierung mehr. Das ist ein Unterschied.
Seitdem behandle ich Alarme mit einer fast strengen Sparsamkeit. Meine Leitfrage lautet: Wenn dieser Alarm nachts losgeht, würde ich wollen, dass jemand aufsteht? Wenn die Antwort nein ist, dann ist es kein Alarm. Dann ist es höchstens ein Eintrag in einem Dashboard, das man morgens anschaut. Diese Trennung zwischen „jemand muss jetzt handeln" und „das ist zur Kenntnis" hat unsere Bereitschaft gerettet.
Der zweite Grundsatz ist, auf Symptome zu alarmieren, nicht auf Ursachen. Nutzer merken nicht, dass eine CPU bei achtzig Prozent liegt. Sie merken, dass die Seite langsam ist oder Fehler zurückkommt. Also alarmiere ich auf das, was der Nutzer spürt: Latenz, Fehlerrate, gescheiterte Anfragen. Die hohe CPU ist dann eine Information für die Diagnose, kein Grund, jemanden zu wecken. Oft löst sich eine hohe Auslastung von selbst, ohne dass ein Mensch je etwas tun müsste.
Am meisten hat mir geholfen, jeden Alarm mit einer ehrlichen Verfallsprüfung zu versehen. Alle paar Wochen gehe ich die Liste durch und frage bei jedem einzelnen: Ist der schon mal losgegangen? Hat daraufhin jemand etwas getan? Wenn ein Alarm seit Monaten nur Lärm macht und nie zu einer Handlung geführt hat, dann löse ich ihn auf. Das fühlt sich mutig an, ist aber das Gegenteil. Ein Alarm, dem niemand traut, schützt niemanden.
Gutes Monitoring erkennt man nicht an der Menge der Alarme, sondern daran, dass jeder einzelne noch etwas bedeutet.
– Sergey Shinder
This article was originally published by DEV Community and written by Sergey Shinder.
Read original article on DEV Community